Rowohlt Verlag
Bernhard Cornwell Website

Geschrieben am 13.03.2014

Wie wird ein Cornwell-Roman übersetzt?

Ein Buch von Bernard Cornwell zu übersetzen ist ein Aufbruch ins Unbekannte.

Denn Cornwells unglaubliche und kunstvoll dosiert eingesetzte Kenntnisse auf den unterschiedlichsten historischen Gebieten spiegeln sich nicht nur in den Themen seiner Romane, sondern wirken bis in die Verästelungen des Vokabulars nach.

Vom alltäglichen Leben in vergangenen Zeiten bis zu Waffenbau, Kriegshandwerk und Kampfstrategie, von alten Landwirtschaftstechniken bis zu historischen Vorgehensweisen bei Vertragsabschlüssen – und deren gar nicht seltener Fälschung – Cornwell ist bestens informiert, und er beschreibt all dies mit dem Wortschatz der jeweiligen Epochen, in denen seine Romane spielen.

Bei der Übersetzung die Entsprechung für diese spezifischen und manchmal lange außer Gebrauch gekommenen einzelnen Begriffe zu finden, bedeutet oft, tief und lange in die verlassenen Bergwerke alter Wörterbücher oder historischer Vergleichstexte vorzudringen. – In solchen Fällen wird die Übersetzung eine Expedition in vergessene Sprachkonventionen und der Versuch, das Alte mit seinen sperrigen, aber auch hinreißenden Wortgebilden in eine deutsche Version zu übertragen, die Leserinnen und Leser von Heute mitnimmt.

Eine weitere Herausforderung, die Cornwell-Romane beim Übersetzen stellen, ist der kunstvoll rhythmische Stil des Autors. Gekonnt kontrastiert Cornwell zum Teil beinahe lyrische Passagen mit dem harten Erzähltakt ruppiger Dialoge oder des Schlachtfeldes, die es in ihrer unterschiedlichen Melodik zu übertragen gilt. Wenn Uhtred im Bug eines Langschiffs steht, eine Hand am Vordersteven mit dem Tierkopf, und angesichts der wogenden See über das Auf und Nieder des Lebens nachdenkt, während hinter ihm die Männer auf den Ruderbänken ihre Riemen so gleichmäßig heben und senken, dass man an ein geflügeltes Schiff denken muss, beschreibt Cornwell dies in einer musikalischen, harmonischen Sprache, die trotz ihrer Satzlängen nie außer Atem kommt.

Außer Atem sollen die Leserinnen und Leser kommen, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass Cornwell sie an einer solchen Stelle nicht allzu lange in Uhtred-Romantik versinken lässt, sondern sie mit einem knappen Kontrapunkt aus der Beschaulichkeit herausreißt. – Am Morgen kamen die Dänen!

Es gäbe noch vieles Anderes zu erwähnen: die pointierten Dialoge, deren Übersetzung viel Kopfzerbrechen bereiten kann, wenn sie in der Übersetzung wenigstens annähernd so unwiderstehlich wirken sollen wie im Original, die unvergesslichen Bilder, oder die delikate, ausgewogene und häufig ironisch verbrämte Zuwendung, die Cornwell seinen Protagonisten widmet, selbst wenn sie wüten, mit der Welt hadern, einem Betrug aufsitzen oder hoffnungslos verliebt sind.

Nicht zuletzt soll erwähnt sein, dass die Übersetzung eines Cornwell-Romans eine Arbeit ist, die bisweilen zum Grinsen oder lauten Lachen verführt.

Herausforderung, Unterhaltung, Dazulernen – viel mehr kann man beim Übersetzen von seiner Arbeit kaum verlangen. Und all das immer mit dem Gedanken an das Lesepublikum, für das die Romane Bernard Cornwells in deutscher Sprache überzeugend und möglichst nahe am Original übertragen werden sollen, um diesem großartigen Autor gerecht zu werden.

Übersetzer sind Diener ihrer Autoren und zugleich Diener ihres landessprachlichen Publikums. Diese Aufgabe lehrt Bescheidenheit.

Carolina Fell