Rowohlt Verlag
Bernhard Cornwell Website

Geschrieben am 12.12.2013

Sein Lektor über Bernard Cornwell

Ich kann mich noch ziemlich genau an den Moment erinnern, als ich mein erstes Buch von Bernard Cornwell zu lesen begann. Es war im Frühjahr 2005, gerade war in England der erste Band der Wikingerserie erschienen, «Das letzte Königreich». Die britische Ausgabe war sehr populär ausgestattet, mit einem gemalten Wikingerschiff vor glutrotem Himmel auf dem Umschlag. Passenderweise saß ich mit dem Buch auf der Terasse eines schönen alten Hauses an der Kanalküste von Kent, mit Blick auf das Meer, von dem her kommend die Männer aus dem Norden die angelsächsischen Reiche in die Katastrophe stürzten. Ich wusste, dass der Autor mit seinen historischen Abenteuerromanen schon bei verschiedenen deutschen Verlagen mit überschaubarem Erfolg publiziert worden war, und erwartete mir daher keine großen Wunder. Ich fing an zu lesen.

Schnell war klar: Der Autor kann schreiben, sehr gut sogar. Recherchiert hat er auch, daran hapert es ja bei vielen historischen Romanen. Und er hat, was in diesem Genre wirklich von großer Seltenheit ist, Humor. Ich las und las, was der junge Uhtred aus seinem Leben berichtet, und konnte, wie es so schön heißt, das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und als ich – ein an Militärischem absolut uninteressierter Leser – an die Stelle kam, an der die Belagerung einer Stadt beschrieben wird – wie die Angreifer mit ihren Schilden einen großen Schutzschirm in Form einer Schildkröte bilden und mit Gebrüll auf die Mauern vorrücken, wie sie aber, abweichend von der antiken Theorie, nur im gemäßigten Schritttempo vorankommen; wie die Verteidiger geschwind Luken öffnen und mit Speeren in die ungeschützten Füße der vordersten Angreiferfront stechen und damit die gesamte Schildkröte zu Fall bringen – da hatte ich meinen Lieblingschriftsteller unter den historischen Romanautoren gefunden. Und er ist es bis heute geblieben.